In einer spekta­ku­lären Aktion ist der Wasser­spei­cher für die 1. Viersener Klima­schutz­sied­lung der Wohnungs­ge­nos­sen­schaft Viersen einge­baut worden: Ein Autokran setzte die fast elf Meter hohe Spezi­al­an­fer­ti­gung in das im Rohbau teilweise fertig gestellte Gebäude an der Oststraße ein.

Bist du soweit?“, fragt Daniel Könen in sein Funkgerät. Sofort kommt die Bestä­ti­gung: „Alles klar.“ Gerade hat Helmut Schil­lians in der Kabine seines Autokrans noch einen Schluck aus seinem Kaffee­be­cher genommen, jetzt umfasst er die beiden Steuer­hebel rechts und links neben seinem Sitz. Seit über 30 Jahren ist er Kranfahrer, aber das hier hat auch er nicht jeden Tag am Haken: Fast elf Meter lang und zweiein­halb Tonnen schwer ist der anthra­zit­far­bene Wasser­spei­cher, den er gleich mit seinem Kran von der Straße aus über den Rohbau der 1. Viersener Klima­schutz­sied­lung heben und passgenau senkrecht in den dafür vorge­se­henen Schacht des Gebäudes setzen wird. „Das ist eine echte Heraus­for­de­rung“, meint der 55-jährige Schil­lians.

Der Puffer­spei­cher ist ein wichtiges Element in Viersens ökolo­gischstem Wohnquar­tier, das die Wohnungs­ge­nos­sen­schaft Viersen derzeit an der Oststraße baut. Über ihn werden die künftigen Bewohner der vom Land NRW anerkannten Klima­schutz­sied­lung mit warmem Wasser versorgt. Der an ein U-Boot erinnernde Behälter erstreckt sich über drei Stock­werke und fasst etwa 20.000 Liter – genug für die 48 Wohnungen in den drei Gebäuden, die als Passiv­häuser errichtet werden und zudem den höchsten Energieeffizienz-Standard (Effizi­enz­haus 40 Plus) der KfW erfüllen. Das Wasser wird im Sommer über Solar­thermie und im Winter über die Wärme­pumpe der Klima­schutz­sied­lung erhitzt. Das Unter­nehmen Maatz-Christensen aus Borken hat den Stahl­be­hälter mit einem Durch­messer von 1,60 Metern produ­ziert.

Die Höhe ist schon mal gut. Noch ein bisschen nach rechts“, sagt Daniel Könen jetzt in sein Funkgerät. Der Mitar­beiter des Unter­neh­mens Schweri aus Krefeld gibt Helmut Schil­lians vom dritten Stock aus die Anwei­sungen – der Mann im Führer­haus des Krans kann von unten nicht sehen, was hoch oben über dem Boden passiert. Könen hat die Aktion seit Wochen gemeinsam mit René Kielb von der Lindschulte und GGL Ingenieur­ge­sell­schaft und dem Sanitär-Heizungsfachbetrieb Wolter geplant. Sie haben Glück, dass heute nur ein schwa­cher Wind weht. An den stürmi­schen Tagen zuvor hätten die Arbeiten nicht durch­ge­führt werden können.

Für ein paar Minuten hängt der Puffer­spei­cher rund 25 Meter über der Erde. Dann lässt ihn Schil­lians langsam in den Schacht gleiten. Er und Könen sprechen ganz ruhig mitein­ander, die präzisen Anwei­sungen werden ebenso präzise ausge­führt. Etwa eine Stunde dauert die gesamte Aktion. Dann lächelt Daniel Könen: „Passt, sitzt und hat Luft“, stellt er mit einem letzten Blick auf den perfekt platzierten Speicher fest. Jetzt können die Bauar­beiter die Decke über dem Dachge­schoss gießen. In rund einem Jahr sollen die ersten Bewohner in die Klima­schutz­sied­lung einziehen können.